Geschichte

Als im Jahre 1918 vor dem Ende des ersten Weltkriegs auf Initiative des königlich württembergischen Fiskus die Reederei Schwaben als erste Reederei am Neckar gegründet wurde, stand die Lösung des Transportproblems des Salzbergbaus im Unterland in Verbindung mit dem Ausbau des Neckars als Großschifffahrtstraße im Vordergrund.

In Anlehnung an die alte württembergische Fahne wurde der Reederei Schwaben ihre schwarz-rote Reedereiflagge gestaltet, die die Schwaben-Schiffe von der Gründung bis zum heutigen Tage begleitet und damit Tradition und Fortschritt verbindet.

Die ersten Dampfschlepper mit Ihren Schleppkähnen im Anhang nahmen Ihren Dienst auf, um das Salz von den Bergwerken in Heilbronn und Kochendorf zu den Empfängern der Großchemie an Rhein und Main zu bringen. In den 50-er Jahren wurden stärkere Motorschlepper eingesetzt, die die Dampfschlepper ablösten. Gleichzeitig wurde die Flotte der Motorgüterschiffe erweitert, die den Stückgutgüterdienst, insbesondere von Rheinstationen und Ruhrstationen, in den Neckar durchführten.

 

Reederei Schwaben in den 1970er Jahren – neue Geschäftsfelder

 

1970 erreicht die Salz-Spedition erstmals einen Umfang von 2 Millionen beförderten Tonnen. Um die Auslastung der Schiffe in beiden Richtungen zu verbessern, wird eine langfristige Kooperation mit der Firma Gebr. Krieger, Neckarsteinach, geschlossen, die ebenfalls über eine leistungsfähige Binnenschiffsflotte verfügt. Die Schiffe beider Reedereien befördern Salz zu Tal und Kies zu Berg. Zwei weitere ältere Motorgüterschiffe werden erworben. 1972 übernimmt die Reederei Schwaben alle Anteile der S.a.d.N. AG. Ihre sechs Motorschlepper werden in den Fahrzeugpark der Reederei Schwaben integriert. Das erste moderne Einraum-Großmotorschiff wird Ende 1972 von einer Berliner Reederei erworben und als HELFENSTEIN in Dienst gestellt. Dies ist der Auftakt einer Serie von Großmotorschiffen. Mit der leichten Abnahme der Transportmengen auf der Wasserstraße hält die Reederei Schwaben nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau. Ende 1975 erwirbt sie die Internationale Spedition Vöhringer & Kopp aus Stuttgart. Nach wie vor sind die Schleppkähne das Rückgrat der Salzflotte, doch sie altern zusehends. Die Reederei Schwaben investiert in weitere, relativ junge, gebrauchte Motorgüterschiffe vom Typ „Europaschiff “ mit einem Raum. Alle wurden von den Deutschen Industriewerken Berlin gebaut, was den recht einheitlichen „Look“ der Flotte erklärt. Ende der 1970er Jahre verfügt die Reederei Schwaben über zehn größere Motorgüterschiffe mit einer Tragfähigkeit von 14.396 t, sieben kleinere Motorgüterschiffe mit 3.731 t und fünf Schleppkähne mit 6.361 t, zusammen 24.488 t Transportkapazität.

 

Reederei Schwaben in den 1980 und 1990 er Jahren – Modernisierung der Flotte

 

In den 1980er Jahren geht die Schleppschifffahrt auf dem Neckar ihrem Ende entgegen. Dafür werden die Motorgüterschiffe kontinuierlich modernisiert und verlängert, teilweise zweimal. Es erfolgt auch eine Expansion auf der Straße, um die Abhängigkeit vom „Salz“ zu verringern. 1982 wird Gerd-Jürgen Britsch alleiniger Geschäftsführer des Unternehmens. Er erweitert das Portfolio der Reederei um schifffahrtsfremde Aktivitäten auf der Straße:

 

• Erwerb der Umzugsspedition Paul v. Maur GmbH, Stuttgart, im Jahr 1982, mit späteren Filialen in Düsseldorf und Dresden

 

• Gründung der UTS Umzugs- und Transportsysteme GmbH für den Möbeltransport

 

• Mit dem „Artmobil“ wird das Spezialgebiet Kunst-Transport und Kunst-Lagerung erschlossen

 

• Erwerb der auf Spezial- und Schwertransporte spezialisierten Spedition Gailing, Stuttgart, im Jahr 1998

 

Die Schleppschifffahrt geht nun definitiv ihrem Ende entgegen: Zwischen 1981 und 1983 werden nacheinander die Schleppkähne stillgelegt und sukzessive verschrottet.

 

Gleichzeitig werden die Schlepper stillgelegt und verkauft. Im September 1983 führt der Motorschlepper NECKAR XIV mit dem Schleppkahn SCHWABEN 4 (2) die letzte Schleppreise von Heilbronn nach Ludwigshafen durch. Die letzten Schlepper NECKAR XII, XIII und XIV werden 1983 stillgelegt und verschrottet. Auch die älteren Motorschiffe HEILBRONN, REUTLINGEN, ESSLINGEN und HOHENTWIEL werden 1981 bis 1983 verschrottet. Um die maximal zulässigen Abmessungen ihrer Schiffe auszunutzen, lässt die Reederei Schwaben die BÄRENSTEIN im Frühjahr 1980 in Germersheim auf 100 m verlängern. Dadurch wächst deren Tragfähigkeit von 1.421 auf 1.835 t. In den folgenden Jahren werden sukzessive alle weiteren, jungen Motorgüterschiffe zu Großmotorschiffen verlängert, ab 1984 auf 105 m. Mit der wirtschaftlichen Erholung erwirbt man ab 1985 weitere Großmotorschiffe aus der Fahrt und ersetzt mit ihnen die drei älteren, RHK-Maß-Motorgüterschiffe. Nach der erneuten Verlängerung auf 105 m haben alle zehn Einraum-Großmotorschiffe eine Tragfähigkeit zwischen 1.900 und 2.000 Tonnen.

 

Anfang der 1990er Jahre betreibt die Reederei Schwaben eine Flotte aus zehn Großmotor-schiffen, alle unter 20 Jahre alt. Die HOHENSTAUFEN wird erst 1991 als letztes „Stückgutschiff “ verschrottet. Im Juni 1993 nimmt die Paul v. Maur Internationale Spedition Dresden (damalige Tochtergesellschaft der Reederei Schwaben) eine große und speziell für Theater- und Kunstlogistik ausgerichtete Speditionsanlage in Kesselsdorf bei Dresden in Betrieb. Mit der „Liberalisierung der Frachten“ am 1.1.1994 fallen die Frachtraten fast ins Bodenlose. Die Reederei Schwaben sieht ihre Einnahmen rapide schwinden und verkauft zwei Motorgüterschiffe ins Ausland. Bald steht die Zukunft der Reederei auf dem Spiel; ein neues Geschäftsmodell muss her. Alle acht Motorgüterschiffe werden in Folge an sogenannte „Schiffsausrüster“ vermietet. Die Reederei übernimmt die technische Betreuung der Flotte, sorgt für deren Unterhaltung und nutzt dafür die eigene Werkstatt in Heilbronn.

 

Anlässlich ihrer 80 Jahr-Feier im Juli 1998 ist das Schlimmste überstanden, und die Reederei Schwaben feiert in Stuttgart. Zu diesem Zeitpunkt ist das Land Baden-Württemberg noch zu 44 % an der Reederei Schwaben beteiligt, die übrigen Anteile halten die Energie Baden-Württemberg AG (30 %) und die Südwestdeutsche Salzwerke AG (26 %). In diesem Jahr nimmt die Reederei Schwaben auch ihre neue und mit einem 16 t-Kran ausgerüstete Lagerhalle am Umschlagsstandort Heilbronn in Betrieb, mit der dann auch wieder wasserseitiger Umschlag möglich ist.

 

Im neuen Jahrtausend

 

Mit dem Ausstieg des Gesellschafters EnBW im Jahr 2002 ist die Reederei Schwaben mehrheitlich im Besitz der Südwestdeutsche Salzwerke AG, Heilbronn, die ihren Anteil von 26 % auf 51 % erhöht. Damit einher geht die Konzentration auf die Kernkompetenz Binnenschifffahrt, die Landspeditionen werden sukzessive bis zum Jahr 2007 verkauft. Mit den dadurch erzielten Verkaufserlösen werden in den Jahren 2006 und 2008 zwei Schiffsneubauten in Fahrt gebracht, ein Novum in der Geschichte der Reederei Schwaben.

 

Neubau GMS „STADT HEILBRONN“

 

Im März 2006 wird das neue Motorgüterschiff STADT HEILBRONN in Heilbronn getauft. Der Geschäftsführer Gerd-Jürgen Britsch stellt das Schiff vor: Mit 105 m Länge und 11,44 m Breite hat es die maximal möglichen Abmessungen eines Neckarschiffes. Bei der Schleusenfahrt sind daher auf jeder Seite nur noch 28 cm Platz! Das Großmotorschiff trägt maximal 2.618 t bei 3,13 m Tiefgang, auf dem Neckar können bei 2,70 m Tiefgang immerhin noch 2.130 t geladen werden. Taufpatin ist Helga Himmelsbach, die Ehefrau des damaligen Heilbronner Oberbürgermeisters Helmut Himmelsbach. Die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesverkehrsministeriums, Karin Roth, unterstreicht in ihrer Ansprache die volkswirtschaftliche Bedeutung der Binnenschifffahrt sowie die Bedeutung des Neckars für die Region und bekräftigt die Notwendigkeit, die in die Jahre gekommenen Neckarschleusen auf 135 m Nutzlänge zu verlängern. Ende 2006 endet die Ära Britsch bei der Reederei Schwaben, der sich fortan als geschäftsführender Gesellschafter um die Weiterentwicklung der im Rahmen eines Management-Buy-out übernommenen Spedition Paul v. Maur GmbH, Stuttgart kümmert. Sein Nachfolger wird Dr. Ulrich Kowalski. Mit dem Geschäftsführungswechsel wird der Sitz der Geschäftsführung nach Heilbronn verlagert, der Stammsitz der Gesellschaft bleibt zunächst Stuttgart.

 

Neubau GMS „ BADEN-WÜRTTEMBERG“

 

Pünktlich zum 90jährigen Bestehen schenkt sich die Reederei Schwaben im Jahr 2008 wieder einen Neubau. Die BADEN-WÜRTTEMBERG ist ebenfalls 105 m lang, aber nur 11 m breit und dadurch etwas einfacher in den engen Neckarschleusen zu manövrieren. Wie bei der typenähnlichen STADT HEILBRONN ist eine Verlängerung des Schiffes auf 135 m bauseits vorbereitet – falls die Schleusenverlängerungen auf dem Neckar in absehbarer Zeit einmal Realität werden sollten. Zu diesem Zeitpunkt ist die eigene Flotte gut ausgelastet und auf dem Rhein, seinen Nebenflüssen und auch stellenweise im Kanalgebiet im Einsatz. Sie umfasst sechs Großmotorschiffe mit einer Tragfähigkeit von ca. 13.000 t und befördert zuverlässig Salz zu Tal und Kohle für die am Neckar gelegenen Kohlekraftwerke zu Berg.

 

2009 sucht sich die Reederei neue Kooperationspartner für Transporte zur Donau; allerdings machen die stark schwankenden Wasserstände der oberen Donau sowie ausgefallene Winter und in Folge wenig Auftausalztransportmengen in dieses Gebiet den Partnern das Leben schwer. Ab 2009 werden die älteren Großmotorschiffe sukzessive modernisiert; sie erhalten zum Teil neue Motoren und Steuerhäuser.

 

Anfang 2013 übernimmt Kai Nandelstaedt, der im Jahr 1989 mit einer bei der Internationalen Spedition Vöhringer & Kopp GmbH Stuttgart,  begonnenen Ausbildung zum Speditionskaufmann in die Dienste der Reederei Schwaben-Firmengruppe eingetreten ist, die alleinige Geschäftsführung der Reederei Schwaben von Dr. Ulrich Kowalski, der in den Ruhestand geht.

 

Reederei Schwaben zum Hundertsten (1918-2018)

 

Die Kapazität der eigenen Schiffsflotte ist in den letzten zehn Jahren überwiegend konstant geblieben und umfasst sechs Großmotorschiffe mit einer Kapazität von 13.000 t. Alle sind entsprechend dem neuesten Stand der Technik mit GPS-gestütztem Radar und elektronischen Flussnavigationssystemen, AIS und modernen Bugstrahlruderanlagen ausgestattet und werden in der Regel in derA1 bzw. A2 Fahrt betrieben. Wichtigstes Transportgut ist nach wie vor Industriesalz aus Heilbronn als Talfracht für die chemische Großindustrie an Rhein und Main. Auch Auftausalz wird beispielsweise an den oberen Main und an die Donau geliefert, wo vornehmlich zwischen April und Oktober die SWS-eigenen Läger bzw. Kundenläger wieder aufgefüllt werden. Eine wichtige Bergfracht ist immer noch Importkohle für das Kohlekraftwerk Heilbronn, aufgrund der Energiewende allerdings mit stark abnehmender Tendenz. Dadurch ergibt sich die Chance, auch vermehrt wieder andere Transportgüter wie Futtermittel und Getreide – die GMP-Zertifizierung liegt vor – Zement-Zuschlagsstoffe, Walzwerkserzeugnisse sowie weiterhin Kies und Sand transportieren zu können. Die Reederei Schwaben ist nach wie vor der größte Befrachter am Neckar: Rund 40 % des verfügbaren Transportvolumens wird von der eigenen Flotte befördert, für den Rest werden fremde Schiffe gechartert. Hier gibt es langjährige Kooperationen mit anderen Reedereien und Befrachtern sowie Partikulier-Genossenschaften, aber auch frei fahrende Partikuliere werden im Rahmen sich verändernder Warenströme auf dem Neckar zunehmend beauftragt. Im Jahr 2015 erwirbt die Firma Gebr. Krieger KG, Neckarsteinach, 5 % der Gesellschaftsanteile an der Reederei Schwaben, was zukünftig eine noch engere Zusammenarbeit im Bereich der Binnenschifffahrt erwarten lässt. Nach dem Verkauf des Betriebsteils Stuttgart an die Paul v. Maur GmbH, Stuttgart zum 31.3.2018 – in diesem Zuge wird auch der Stammsitz der Gesellschaft von Stuttgart nach Heilbronn verlegt – gehört der Umschlagsbetrieb Heilbronn weiterhin zum Kerngeschäft der Gesellschaft. Nach einer durchgreifenden Modernisierung der Lagerhallen, der Verbesserung der Schieneninfrastruktur sowie der Verlagerung eines Großkunden von Stuttgart nach Heilbronn ist man für laufende Aufgaben und zukünftige Kundenanfragen jetzt deutlich besser gewappnet.

 

Neue Herausforderungen und Ausblick

 

In den letzten Jahren vor dem hundertjährigen Jubiläum sind zunehmend Herausforderungen zu Tage getreten, die für die nächsten Jahre ein eher schwieriger werdendes Fahrwasser erwarten lassen. Zwar besteht weiterhin eine hohe Transportnachfrage nach Industrie- und Auftausalz aus Heilbronn, klimatische und anderweitige nicht unerhebliche Einflüsse führen aber zu einem zunehmend höheren Aufwand bei der Aufrechterhaltung der für das Salzwerk Heilbronn und die chemische Großindustrie so wichtigen just-intime Lieferkette. Da die ältesten Gütermotorschiffe der Schwaben-Flotte nun fast 50 Jahre alt sind und man zunehmend am Limit der eigenen verfügbaren Schiffskapazitäten agiert, wird es trotz der Unterstützung der jüngeren Schiffe STADT HEILBRONN und BADEN-WÜRTTEMBERG nicht ausbleiben können, sich zumindest gedanklich mit einer eventuellen Aufstockung der eigenen Schiffsflotte auseinanderzusetzen, um zum einen die eigene Kernkompetenz aufrecht zu erhalten und zum anderen den Großkunden und Mehrheitsgesellschafter Südwestdeutsche Salzwerke AG weiterhin auf höchstem Niveau bedienen zu können.